
1. Zum Studium
Yingtai sieht vom Fenster ihres Zimmers viele Studenten fröhlich zum Studium gehen. Sie fühlt sich sehr traurig und tut einen schweren Seufzer. Zu dieser Zeit kommt der Vater Zhu Gongyuan gelaufen voll Unruhe ins Zimmer. Er sagt mit Sorge zu Yingtai:
“Du bist zu eigenwillig! Wie kommst du denn darauf, studieren zu gehen? Du bist doch eine Dame! Also darfst du keinesfalls hinaus zur Öffentlichkeit. Aber ich kann es nicht übers Herz bringen, Solch einen schlechten Zustand von dir zu sehen, Mein Herzliebchen. Was kann ich jetzt eigentlich tun?”
Yingtai hat ein Dienstmädchen, das Yinxin heißt. Yinxin ist ein kluges mädchen. Ihr kommt plötzlich eine Idee, dann sagt sie zu Gongyuan:
“Meister, meiner Meinung nach können wir morgen einen Prognostiker rufen. Er kann uns helfen, es zu entscheiden, ob Fräulein zum Studium gehen kann.”
Gongyuan nimmt den Vorschlag an. Am nächsten Tag bringt Yinxin einen Prognostiker zurück.
“Meister, Herr Seher kommt.”
“Bitte herein!”
“Guten Tag! Herr Zhu.”
“Guten Tag! Herr Seher. Setzen Sie sich bitte.”
“Danke schön! Was möchten Sie denn von mir wissen?”
“Also, meine Tochter will nach Hangzhou zum Studium. Ich weiß nicht, ob eine Dame wie sie allein das Haus verlassen kann?”
“Wie alt ist Fräulein?”
“Sechzehn.”
“O.K. Ich überlege mich mal. … Also, ich glaube, es wäre besser, deine Tochter ausgehen zu lassen.”
“Wieso denn?”
“Weil das Fräulein immer kranker würde, wenn sie noch zu Hause bliebe.”
Plötzlich bekommt Yinxin einen Lachkrampf.
“Worüber lachst du denn?” fragt Gongyuan beirrt, “Bring doch sofort Herrn Seher nach Hause!”
Dann findet er, dass Yingtai sich als den Prognostiker verkleidet hat. Er ist schrecklich zornig.
“Wie wagst du denn deinen Vater zu betrügen!?”
“Du hast gesehen, ich kann mich perfekt als einen Jungen verkleidet. Bitte, Pappa! Lass mich gehen!” bittet Yingtai ihn.
“Blödsinn! Von jeher geht nur der Junge zum Studium, ich habe niemals gehört, eine Maid hat auch gegangen. Ich stelle dir einen Lehrer an, dann kannst du zu Hause studieren.”
“Nein, ich bin informiert, dass es einen sehr berühmten Professor in Hangzhou gibt…”
“Trotzdem darfst du nicht!”
“Ich muss gehen!”
“Eine Dame macht allein eine weite Reise. Das ist aber eine unvorstellbare Sache.”
“Unsere Familie gehört zu einem Intellektuellen Geschlecht. Es ist selbstverständlich, dass ich zum Studium gehe. Und du hast mir einmal die Geschichten von Ban Zhao und Cai Wenji erzählt. Sie sind beide die bekannten weiblichen Intellectuellen. Darf ich denn nicht von ihnen lernen?”
“Ja,ja. Yingtai, verkleid dich und lass dich niemals erkennen. Ich gebe dir drei Jahre. Nach dem Abschluss gehst du sofort zurück. Wenn es etwas Dringendes gibt, dann schicke ich dir einen Brief, kommst du auch so bald wie möglich.”
“Ja!”
2. Das Treffen
Wie froh und glücklich ist Yingtai jetzt! Sie hat sich als einen Jungen verkleidet und geht mit Yinxins Begleitung unterwegs nach Hangzhou. Sie sehen einen Drachen im hohen Himmel fliegen.
“Schauen Sie mal! Fräu~” schreit Yinxin fröhlich.
“Was!” wirft ihr Yingtai einen scharfen Blick.
“Ach, ja! Meister!” Yinxin ist eingefallen, dass sie jetzt zwei Jungen sind, “Ein Drachen fliegt hoch daroben.”
“Ja, wie hoch er steigt! Aber wird leider durch den Faden verbunden…” sagt Yingtai nachdenkend.
“Ah! Der Faden ist abgerissen!” schreit Yinxin noch einmal.
“Das ist aber gut!” klatscht Yintai Beifall, “Wenn er doch immer frei flöge!”
“Richtig! Je weiter, desto besser!” ergänzt Yinxin.
Sie gehen weiter. Bald kommen sie zum Grasbrücke-Pavillon.
“Davorn ist der Grasbrücke-Pavillon. Wir können dort eine Pause machen.” schlägt Yingtai vor.
“Ja!” erwidert Yinxin.
Sie setzen sich garade in den Pavillon, dann hören sie jemanden singen:
“Habe mich von den Eltern verabschiedet und die Heimat verlassen, um nach Hangzhou zu studieren…”
Ein Junge kommt mit einem Bübchen hierher. Er sagt zu dem Bübchen, seinem Diener “Sijiu” genannt, “Sijiu, ich kann mich nicht mehr bewegen. Machen wir eine Rast da in diesem Pavillon”
“Gut! Aber schon jemande sind da, Meister.”
“Macht nichts. Sie sehen auch wie Studenten aus.”
Der Junge geht vorwärts, “Guten Tag!”
“Guten Tag!” antwortet Yingtai.
“Darf ich fragen, wie ist Ihr Name?”
“Zhu Yingtai. Ich komme aus Shangyu. Und wie ist Ihrer denn?”
“Ach, Meister Zhu. Ich heiße Liang Shanbo, komme aus Kuaiji.”
“So, Meister Liang.”
“Gehen Sie nach Hangzhou zum Studium?”
“Genau! Und Sie?”
“Ich auch!”
“Prima! Setzen Sie sich bitte!”
Sijiu und Yinxin unterhalten sich.
Sijiu fragt, “Wo geht ihr hin?”
Yinxin antwortet, “Nach Hangzhou zum Studium.”
“Wir auch!”
“Recht zufällig!” wendet sich Yinxin zu Yingtai, “Fräulein, …”
“Nee, dein Fräulein bleibt jetzt zu Hause. Wieso sprichst du von ihr?” verbirgt Yingtai ihre Verlegenheit.
“Oh, ich denke, wenn das Fräulein nur auch mitkommen könnte!”
“Ja, genau!”
“Was denn?” fragt Shanbo neugierig.
“Meister Liang, Sie wissen aber nicht! Ich habe eine kleine Schwester. Sie ist sehr gescheit und tüchtig, nicht nur bei der Mädchensarbeit, sondern auch bei Lernen. Sie wollte dieses Mal eigentlich mit mir mitkommen, aber mein Vater erlaubte ihr halsstarrig einfach nicht. Folglich gehe ich allein aus. Ich glaube, Jungen sollen natürlich lernen und jedoch Mädchen auch, nicht wahr?”
“Einwandfrei!” ist Shanbo völlig einverstanden, “Mädchen sind auch die Kinder von den Eltern, wieso dürfen sie nicht lernen?”
Darüber freut sich Yingtai sehr, und denkt, “Ich glaube eigentlich die Männer sind überall derselben Meinung. Er ist aber außerordentlich!”
“Wir sind gleiches Herzens!” sagt Shanbo, “Ich habe einen Vorschlag. Wir können uns verbrüdern. Geschwister habe ich keine, und wie glücklich wäre ich, wenn ich einen Bruder hätte wie Sie.”
“Aber schön!” erwidert Yingtai auch mit Freude, “Vielen Dank für Ihre Bevorzugung. Ich will sehr gern mit Ihnen Brüderschaft schließen.”
Dann führen sie eine Zeremonie.
“Also, jetzt sind wir Brüder, dann können wir duzen. Wie alt bist du?” redet Shanbo.
“Sechzehn. Und du?”
“Schon siebzehn.”
“Dann bist du mein älterer Bruder.”
“Schwören wir zum Himmel.”
Sie beten den Himmel an.
“Sijiu, grüße Meister Zhu.”
“Yinxin, grüße Meister Liang.”
Nach den Begrüßungen, sagt Shanbo zu Yingtai, “Es ist schon spät, wir müssen uns beeilen. Bitte mein lieber Bruder, geh doch los.” Er ergreift gleichzeitig sie bei der Hand.
Yingtai fühlt sich erst so scheu aber sofort findet ihre Ruhe. Sie gehen zusammen unterwegs.
3. Die Ehevermittlung
Doch so schnell vergeht die Zeit! Fast drei Jahre leben und lernen Shanbo und Yingtai zusammen. Yingtai verliebt sich seit langem in Shanbo. Davon erfährt Shanbo aber gar nichts.
Eines Nachts nach einem Bad frisiert sich Yingtai vor dem Spiegel, Yinxin hilft dabei.
“Wie schön sehen Sie in Damenkleidung aus, Fräulein! Wie eine Lotosblume.” preist Yinxin, “Meister Liang ist wirklich ein Dummkopf. Er weiß bis heute noch nicht, Sie sind weiblich.”
“Nee, das kann man nicht sagen. Mein Bruder ist ein fleißiger Junge. Er denkt nur an das Studium, hat außerdem keine Aufmerksamkeiten für anderes.”
“Wie würde Meister Liang denn darauf reagieren, wenn er wüßte, dass Sie eine Maid sind? Ich glaube er muss um Sie werben.”
“Keinen Quatsch!”
“Sie brauchen mir nicht zu verbergen. Ich kann es heraussehen, dass Sie Meister Liang lieben. Er ist nett freundlich tugendhaft und grundgelehrt, so nobel wie das Paar Schmetterlingsjaden.”
Yingtai schaut die Jaden an, geratet in tiefen Gedanken.
Plötzlich klopft es an der Tür. “Das bin ich, Shanbo!” Die Stimme bricht Yingtais Gedanken ab.
“Nein! Mein Bruder kommt! Yinxin, schnell! Mein Anzug!”
Yingtai kleidet sich mit aller Eile an, dann geht die Tür öffnen, verletzt sich unsorgfältig den Fuß.
“Warum kommst du so spat zu mir?” wirft Yingtai ihm vor.
“Ich bringe dir deine Aufgabe, die du von mir korrigieren lassen hast. Ich gehe sofort.”
“Wer läßt dich denn gehen? Bleib hier!”
“Hehe…”
“Bruder, nimm bitte den Platz. Yinxin, bring Meister Liang einen Tee.”
“Wieso so höflich? Du bist aber mein Bruder. Entschuldige, ich habe dich so spat gestört. Hm…Du hast zu wenig an! Sei nicht krank!”
Yingtai bewegt sich instinktiv, um Shanbos Berührung zu vermeiden. Aber der Fuß tut ihr weh.
“Ops!”
“Was denn!? Setz dich, lass mich schauen!”
“Nein, macht nichts! Mach dir keine Sorgen um mich.”
“Wirklich? Also gut.” sagt Shanbo zu Yingtai mit weicher Stimme, “Wenn du Schwierigkeiten hast, sag mir unbedingt Bescheid.”
Yingtai ist vollständig erschüttert und denkt, “Wie sanft und zärtlich Shanbo ist! Seine Rede hat die Saiten meines Herzens bewegt.” Dann spricht sie mit Shanbo auch ergriffen,
“Lieber Bruder, nach dem dreijährigen Zusammenleben kann ich dich besser kennen. Ich bedanke mich für deine Versorgung. Ich bin oft sehr kindisch, deswegen bitte dich um eine Verzeihung.”
“Mein Lieber, brauchst es nicht zu sagen.” antwortet Shanbo, “Du bist noch jung und im Wohlstand erwachsen. Ich bin älter, soll für dich sorgen. Meine Familie ist nicht so reich, dass ich etwas mehr ertragen kann. Du bist ein argloser und gütiger Junge. Und ich habe schon gesagt, es freut mich sehr, dass ich einen Bruder habe wie dich.”
“Bruder…”
“Gut, lies mal, ob meine Korriktur passt, oder nicht.”
Während Yingtai die Aufgabe lesen, beobachtet Shanbo sie.
“Was siehst du?” fragt Yingtai.
“Ich habe vorher nicht gefunden, dass du Ohrlöcher hast. Nur Frauen tragen Ohrringe. Was ist denn deinen Ohren passiert?”
Yingtai kommt in schreckliche Verlegenheit, aber beruhigt sich gleich.
“Der Grund ist auf eine komische Geschichte zurückzuführen. In meiner Heimat findet jedes Jahr eine Feierlichkeit statt. Die Einwohner fanden mich niedlich, dann sollte ich die Mutter Buddha Guanyin darstellen.”
“Ach so!”
“Wenn du nachher noch blindlings raten, dann will ich…”
“Naja, sei nicht böse. Verzeihung!”
“Aber nicht für nächstes Mal!” sagt Yingtai foppend mit dem Ton des Professors
“Sicher, nicht für nächstes Mal!” erwidert Shanbo auch lächelnd.
Yinxin kommt zur dieser Zeit herein.
“Meister, Sie bekommen einen Brief von Ihrem Vater.”
“Es ist schon spät, ich gehe. Tschüs!” Shanbo steht auf und geht.
“Tschüs! Aber sorgfältig am Abend.” sagt Yingtai hinter ihm.
Yingtai lies den Brief durch.
“Yinxin, im Brief steht, dass mein Vater krank sei. Wir müssen zurück.”
“Fräulein, was Sie im Herzen gedacht haben, den weiß ich ganz genau. Sie lieben Meister Liang. Wieso wenden Sie sich nicht an die Dame? Sie müssen die Ehe zwischen Ihnen und Meister Liang gern vermitteln.”
“Du meinst die Frau unseres Professors?”
“Genau!”
“Aber ich kann den Mund nicht aufmachen, weil ich eine Frau bin…”
“Sie müssen sich beeilen, sonst haben Sie keine Chance. Ich lade die Dame ein.”
Bald kommt die Dame mit Yinxin zu Yingtai.
“Yingtai, ich habe gehört, du wollest morgen zurück nach Hause.”
“Ja, morgen verabschiede ich mich von Ihnen…”unterbricht Yingtai, schaut nur an den Boden.
“Was möchtest du noch sagen?”
“Nee… nichts… Vielen Dank für Ihre Versorgung.” geht sie weiter, “Dame, wissen Sie? Ich habe mit Shanbo verbrüdert.”
“Das weiß ich schon.”
“Ich kann den Mund nicht auftun.”
“Es macht nichts aus, Geht’s weiter.”
“Ich… ich bin tatsächlich eine Frau. Ich bin verkleidet.”
Die Dame lächelt nur, aber sagt nichts.
“Sie wissen schon!” Yingtai nimmt das Paar Schmetterlingsjaden heraus, übergibt eine von dem Paar zu der Dame.
“Wozu denn?”
“Dame, ich wäre herzlich dafür dankbar, wenn Sie die Ehe zwischen mir und Shanbo vermitteln würden. Diese Schmetterlingsjade übermitteln Sie bitte Shanbo als das Pfand der Verlobung.”
“Du bist doch ein Gefühlmädchen! Shanbo ist auch ein guter Junge. Ich werde gern die Vermittlerin.”
“Vielen Dank! Liebe Dame.”
4. Der Abschied
Am nächsten Morgen gehen Yingtai und Yinxin aus. Shanbo und sijiu begleiten sie zum Abschied.
“Bruder, guck mal! Es gibt einen Pflaumenbaum vor dem Studierzimmer. Darin Stehen paarweise.viele Vögelchen. Die Elstern zwitschern herum, brichten dir gute Nachrichten.”
“Die Elstern sind Glückvögel. Sie wünschen dir gute Fahrt!”
Bald verlassen sie die Stadt.
“Bruder, davorn auf dem Abhang trägt ein Reisigsammler Brennhölzer.”
“Das ist aber eine harte Arbeit.”
“Ich frage dich, für wen sammelt er Hölzer, und für wen gehst du so weit?”
“Für seine Frau und Kinder sammelt er Hölzer. Für dich, meinen lieben Bruder, gehe ich so weit.”
Sie klettern auf den Fenghuang-Berg.
“Alle Blumen blühen da.”
“Nur fehlen die Päonien.”
“Bruder, wenn du Päonien magst, komm mit mir zurück mit. Bei mir zu Hause gibt es eine wunderschöne Paonie. Sie erwartet dein Pflücken.”
“Es ist dennoch zu weit, schade!”
Sie gehen weiter. Ein kleiner grüner See kommt vor die Augen.
“Hast du gesehen? Die Mandarineenten schwimmen in Paaren. Bruder, wenn ich eine Frau wäre, möchtest du mit mir ein Ehepaar werden?”
“Ehepaar? Leider bist du keine Frau.”
Entlang einen Fluss wandern sie langsam. Im Fluss schwimmen zwei Gänse hierher zu.
“Der Gänserich schwimmt davorn, dahintern schnattert die weibliche Gans ‘Bru~der’.”
“Ah!?”
“Hör mal, ‘Bru~der’, ‘Bru~der’”
“Ich sehe die Gänse den Mund nur schließen. Woher kommt ‘Bru~der’?”
“Siehst du nicht? Die weibliche Gans lächelt dich an. Sie meint du bist wirklich ein dummer Gänserich!”
“Ich? Ein dummer Gänserich? Also, wenn es nun so ist, dann nennst du mich von jetzt an nie Bruder.”
“Entschuldige! Ich mache nur Spaß.”
“Aber nicht für nächstes Mal!”
“Sicher, nicht für nächstes Mal!”
Davorn liegt eine Einbaumbrücke.
“Bruder, ich bin schüchtern und erschrocken.”
“Keine Angst. Ich stütze dich.”
Sie kommen mitten auf die Brücke.
“Bruder, findest du nicht? Wir sind doch Niulang und Zhinü ähnlich.”
Später kommen sie an einem Dorf vorbei.
“Der Hund ist aber böse, beißt nur Mädchen.”
“Mädchen? Wo? Keine Angst! Geh mir nach”
“Hier noch einen Brunnen. Weiß aber nicht, wie tief das wasser ist?”
“Das ist nicht wichtig. Wir müssen uns beeilen.”
“Schau mal. Im Spiegelbild zwei Menschen, ein Mann und eine Frau mit Lächeln.”
“Ich bin zweifellos ein Mann. Wieso sagst du, ich bin eine Frau?”
Verlassen das Dorf, gelangen an den Mutter Buddha Guanyins Tempel.
“Bitte Mutter Buddha, werden Sie unsere Trauzeugin! Bruder, halten wir vor der Mutter Buddha Hochzeit!”
Yingtai zieht Shanbo in den Tempel. Vor der Mutter Buddha betet Yingtai sehr fromm.
“Lieber Bruder, du sprichst immer unsinniger. Wie kann eine Hochzeit zwischen zwei Männern geführt werden? Gehen wir!”
Gegenüber kommt auf einem Rind ein Hirtenjunge, eine flöte blasend.
“Es ist umsonst, einem Rind die Laute vorzuspielen. Du, mein Bruder, genau wie dieses Rind!”
“Ich will eigentlich nicht zornig werden. Aber warum machst du denn immer solche Vergleiche?”
“Sei nicht sauer! Ich knie mich vor dich, um dich um die Entschuldigung zu bitten!”
“Nee! Ich foppe dich bloß.”
“Bruder, ich danke dir für deine tiefe Freundschaft. Du hast mich so weit begleitet. Und jetzt kommt endlich die Scheidestunde. Bitte spar dir den Weg, geh doch nicht mehr weiter.” sagt Yingtai traurig.
“Wir haben die tiefe Freundschaft seit unserer Verbrüderung. Laß mich dich zum Lang-Pavillion davorn begleiten.”
Nach noch einem Abstand gelangen sie an den Lang-Pavillion. Sie setzen sich und nehmen miteinander den allerletzten Abschied.
“Bruder, gleich trennen wir uns wie zwei einzelne Vögel. ” sagt Yingtai ernsthaft, “Ich frage dich noch eine Frage. Hast du schon zu Hause eine Frau?”
“Du weißt doch, dass ich noch nicht verheiratet bin. Warum fragst du mich jetzt diese Frage?”
“Wenn du noch nicht verlobt bist, vermittle ich dir die Ehe.”
“Du machst mir eine Ehevermittlung, aber nur weiß nicht, welche Frau du mir empfehlen willst.”
“Meine kleine Schwester. Gefällt dir sie?”
“Wie alt ist sie denn?”
“Wir sind gleichaltrig … also, Zwillinge.”
“Sieht sie dir ähnlich aus?”
“Ganz gleich wie ich.”
“Dein Vater muss darin nicht einwilligen.”
“Doch! Er hat mich beauftragen, einen guten jungen Mann zu suchen”
“Wenn es nun so ist, vielen Dank für deinen Beitrag.”
“Bruder, komm doch aber schnell zu mir wie möglich! Ich verabrede mit dir für das Qixi-Fest … ”
“Oh, Qixi … ”
“Dass wir uns bei mir treffen.”
Bei Trennung kann Yingtai nichts mehr sagen, hofft nur, dass sie Shanbo möglichst früh wiedersehen kann.
5. Das Abgehen
Eines Abends bleibt Shanbo allein im Studierzimmer, wo nur Totenstille herrscht.
“Wie einsam bin ich seit Yingtais Rückkehr! Mein Bruder, ich denke immer daran, dich zu besuchen, aber ich habe das Studium noch nicht abgeschlossen.” sagt Shanbo zu sich selbst.
Es klopft. Shanbo öffnet die Tür. Es ist die Frau des Professors.
“Dame.”
“Shanbo, du siehst nicht gut aus. Was ist denn passiert?”
“Dame, … Ich habe Heimweh.”
“Dann einfach nach Hause! Also, ich habe eine Frage.”
“Bitte, Dame.”
“Komm doch näher, Shanbo. Du hast mit Yingtai drei Jahre verbracht. Weißt du, was er gadacht hat? Ist er eigentlich ein Junge oder ein Mädchen?”
“Dame, Sie haben eine merkwürdige Frage gestellt.”
“Yingtai hat mich gebeten, ihm die Ehe zu vermitteln. Guck mal, das ist das Pfand der Verlobung, eine Schmetterlingsjade.”
“Weiß aber nicht, mit welcher Frau er sich verloben möchte.”
“Shanbo, Yingtai ist in der Tat von einem Mädchen verkleidet!”
“Ach! Yingtai ist ein Mädchen!” ganz überrascht steht Shanbo da, ohne mehr zu sagen.
“Genau!”
“Ach so! ich verstehe. Yingtai und ihre Schwester sind eigentlich ein Person. Drei Jahre, wie dumm ich bin, kann ich die Tatsache nicht bemerken. Gut! …” jetzt stürzt sich Shanbo völlig in Freude, “Yingtai ist die Vermittlerin von sich selbst gewesen.”
“Du mußt dich beeilen! Brich morgen auf, zu Yingtai zu gehen. Je früher, desto besser.”
“Vielen, Vielen Dank! Dame!”
Shanbo kann aber nicht mehr warten. Er laßt Sijiu sein Gepäck packen. Im Abendsonnenschein gehen sie schon auf den Weg.
(to be continued)
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Wie auch immer: Herzlich willkommen! Ich bin gespannt, wie es weitergeht...
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Du hast eine interessante Frage gestellt. Genau wie deine Vermutung sind die beiden ganz anders. Die Geschichte, die du genannt hast, kommt aus einem von den vier berühmtesten chinesischen klassischen Romanen. Darin ist "Liang Shan Bo" eine Bezeichnung von einem Inselchen im See. Hier handelt "Liang Shanbo" von den Namen eines Mannes. "Liang" ist der Familienname und "Shanbo" ist der Vorname. Ganz umgekehrt wie bei euch.
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